Der Straubinger Spezialist für Umschlagbagger und Materialtransportmaschinen Sennebogen hat angekündigt, bei seinen neuesten Baureihen verstärkt auf sogenannten "grünen Stahl" zu setzen. Das Unternehmen bewirbt die Maßnahme als Teil seiner Nachhaltigkeitsstrategie und will damit CO2-Emissionen in der Produktion deutlich reduzieren. Hinter dem Marketing-Begriff verbirgt sich Stahl, der mit Wasserstoff oder elektrisch betriebenen Hochöfen statt mit Kokskohle hergestellt wird – eine Technologie, die aktuell vor allem von europäischen Stahlproduzenten im Pilotmaßstab erprobt wird.

Für die Baumaschinenbranche ist der Schritt bemerkenswert: Während Elektrifizierung und alternative Antriebe längst im Fokus stehen, rückt nun auch die Material-Herkunft in den Mittelpunkt. Stahl macht bei einem typischen Hydraulikbagger oder Umschlagbagger bis zu 70 Prozent des Gesamtgewichts aus – entsprechend hoch ist der CO2-Fußabdruck bereits vor der ersten Betriebsstunde. Grüner Stahl, der je nach Produktionsverfahren bis zu 95 Prozent weniger CO2-Emissionen verursacht, könnte die Klimabilanz von Baumaschinen über den gesamten Lebenszyklus deutlich verbessern.

Sennebogen hat sich bei der Auswahl der Stahllieferanten bisher nicht im Detail geäußert. Bekannt ist, dass mehrere europäische Stahlwerke derzeit Pilotanlagen für Wasserstoff-basierten Stahl hochfahren – darunter SSAB in Schweden und ArcelorMittal in Deutschland. Die Verfügbarkeit ist jedoch noch begrenzt, und die Preise liegen deutlich über konventionellem Stahl. Für Maschinenbauer stellt sich daher die Frage, ob und wie sich die Mehrkosten weitergeben lassen – oder ob sie als Investition in Markenimage und künftige EU-Regularien betrachtet werden müssen.

Interessant ist die zeitliche Einordnung: Sany Heavy Industry und andere große Hersteller haben kürzlich ebenfalls Nachhaltigkeitsberichte vorgelegt, in denen Material-Sourcing eine wachsende Rolle spielt. Auch Caterpillar adressiert in seinen Klimazielen zunehmend Scope-3-Emissionen, also solche entlang der gesamten Lieferkette. Der Wettbewerbsdruck steigt – nicht zuletzt durch die EU-Taxonomie, die ab 2025 strengere Offenlegungspflichten für nachhaltige Investitionen vorschreibt.

Für Betreiber im Materialumschlag und Recycling bleibt abzuwarten, ob grüner Stahl zum Standard wird oder zunächst ein Nischenprodukt für öffentliche Ausschreibungen mit Nachhaltigkeitskriterien bleibt. Entscheidend wird sein, ob und wann sich die Produktionskapazitäten für CO2-armen Stahl skalieren lassen – und ob OEMs wie Sennebogen langfristige Abnahmeverträge mit Stahlwerken abschließen können. Erste Pilotprojekte zeigen: Die technische Machbarkeit ist gegeben, die wirtschaftliche Umsetzung hängt nun von politischen Rahmenbedingungen und Marktakzeptanz ab.

Ausblick: Wann wird grüner Stahl im Maschinenbau zum Standard?

Die nächsten 24 Monate dürften zeigen, ob Sennebogens Initiative Nachahmer findet. Branchenexperten rechnen damit, dass bis 2027 mindestens drei weitere große Baumaschinenhersteller ähnliche Programme ankündigen werden – getrieben von EU-Vorgaben und steigendem Druck institutioneller Investoren. Die größte Hürde bleibt die Verfügbarkeit: Derzeit produzieren europäische Stahlwerke weniger als zwei Prozent ihres Outputs als grünen Stahl. Erst wenn diese Quote auf zehn Prozent oder mehr steigt, wird Material für Serienfertigung in relevantem Umfang verfügbar sein.