Die STRABAG AG verlegt erstmals ihren ClAir®-Asphalt auf fünf Straßen der Hamburg Port Authority im Hamburger Hafen. Die Technologie kombiniert photokatalytische Luftreinigung mit Lärmschutz-Eigenschaften und wird ab sofort im realen Straßenverkehr getestet. Die Pilotinstallation umfasst mehrere Abschnitte im Hafengebiet, wo hohe Verkehrsbelastung durch Schwerlast-Lkw auf enge innerstädtische Lage trifft.

ClAir®-Asphalt verwendet Titandioxid als photokatalytisch aktive Komponente, die durch UV-Licht aktiviert wird und Stickoxide (NOx) in der Umgebungsluft zu Nitraten oxidiert. Diese werden anschließend vom Regenwasser ausgespült. Parallel dazu soll die offenporige Struktur des Belags Rollgeräusche um bis zu drei Dezibel reduzieren. Die Hamburg Port Authority setzt die Technologie ein, um die Luftqualität im Hafengebiet zu verbessern und gleichzeitig den Lärmschutz für angrenzende Wohngebiete zu erhöhen.

Im Vergleich zu konventionellen Asphaltmischungen liegt der Aufpreis für ClAir®-Asphalt nach Herstellerangaben bei rund 20 bis 30 Prozent. Die tatsächliche Effektivität der NOx-Reduktion hängt stark von Faktoren wie UV-Einstrahlung, Verkehrsdichte und Witterung ab. Unabhängige Studien zeigen, dass photokatalytische Oberflächen unter optimalen Bedingungen NOx-Konzentrationen um 20 bis 40 Prozent senken können, diese Werte jedoch bei hoher Verkehrsbelastung oder häufiger Verschmutzung der Oberfläche deutlich abnehmen.

Der Einsatz von ClAir® erfolgt im Rahmen einer Kooperation zwischen STRABAG und der Hamburg Port Authority. Die fünf Teststrecken werden über einen Zeitraum von mindestens zwei Jahren auf Haltbarkeit, Reinigungsleistung und Verschleißverhalten überwacht. Besonders im Fokus stehen die Standzeiten unter Schwerlastverkehr und die Notwendigkeit zusätzlicher Reinigungszyklen, um die photokatalytische Wirkung aufrechtzuerhalten.

Die Verlegung erfolgt mit konventionellen Asphaltfertigern und Verdichtungswalzen, da ClAir® als Deckschicht auf bestehende Asphaltbefestigungen aufgebracht werden kann. Die Einbautemperaturen und Verdichtungsanforderungen entsprechen weitgehend denen herkömmlicher offenporiger Asphaltbetonmischungen. Für die praktische Umsetzung bedeutet dies keine zusätzlichen Investitionen in Spezialmaschinen, was die Verbreitung der Technologie erleichtern könnte.

Kritisch zu bewerten bleibt die Amortisation: Die Mehrkosten müssen sich über eine längere Nutzungsdauer und geringere Folgekosten durch bessere Luftqualität rechtfertigen. Ob die Kombination aus Luftreinigung und Lärmschutz den finanziellen Aufwand in innerstädtischen oder hafennahen Bereichen rechtfertigt, wird die Auswertung der Hamburger Pilotprojekte zeigen. Für den Straßenbau könnte ClAir® insbesondere in Umweltzonen und stark belasteten urbanen Bereichen eine Ergänzung zu konventionellen Belägen darstellen, sofern die Langzeitperformance überzeugt.