Kleemann, Teil der Wirtgen Group, hat die Spective Connect App mit integriertem Konfigurator offiziell vorgestellt. Die digitale Plattform ermöglicht Betreibern mobiler Brechanlagen erstmals eine individuelle Anpassung ihrer Maschineneinstellungen per Smartphone oder Tablet. Der Hersteller verspricht kürzere Rüstzeiten, höhere Durchsatzraten und reduzierten Kraftstoffverbrauch.
Was die Spective Connect App leistet
Die App kombiniert Telematik-Funktionen mit einem digitalen Konfigurator für Kleemann-Brechanlagen. Betreiber können damit Maschinenparameter wie Spaltweite, Drehzahl und Förderbandgeschwindigkeit direkt am Gerät oder aus der Ferne anpassen. Die Software zeigt Betriebsdaten in Echtzeit an: Betriebsstunden, Durchsatzmengen, Kraftstoffverbrauch und Verschleißzustand kritischer Komponenten.
Der Konfigurator ermöglicht das Speichern von Einstellungen für verschiedene Materialien. Wer heute Bauschutt bricht und morgen Asphalt recycelt, lädt einfach das passende Profil. Kleemann gibt an, dass dies Rüstzeiten um bis zu 30 Prozent verkürzt. Die gespeicherten Profile lassen sich zwischen mehreren Maschinen synchronisieren – relevant für Fuhrparks mit identischen Anlagen.
Ein integriertes Wartungsmodul erinnert an fällige Service-Intervalle und zeigt den Zustand von Verschleißteilen wie Brechbacken oder Siebbelägen an. Die App berechnet auf Basis der Betriebsdaten, wann ein Austausch ansteht. Das soll ungeplante Stillstände reduzieren.
Unterschiede zu bisherigen Telematik-Lösungen
Die meisten Hersteller mobiler Brechanlagen bieten bereits Telematik-Systeme an. Diese beschränken sich jedoch meist auf Standortüberwachung, Betriebsstundenzähler und Fehlerdiagnose. Der integrierte Konfigurator von Kleemann geht einen Schritt weiter: Er greift aktiv in die Maschinensteuerung ein.
Konkurrenzsysteme erfordern oft einen Anruf beim Servicetechniker oder manuelle Einstellungen am Bedienfeld der Anlage. Spective Connect erlaubt Änderungen per App – auch wenn die Maschine gerade läuft. Die Software schlägt zudem automatisch optimierte Einstellungen vor, basierend auf dem zu verarbeitenden Material und der gewünschten Korngröße.
Ein weiterer Unterschied: Die App funktioniert auch offline. Einstellungen und Betriebsdaten werden lokal auf dem Mobilgerät gespeichert und synchronisiert, sobald wieder Netzempfang besteht. Auf abgelegenen Recyclingbaustellen ohne Mobilfunknetz ein relevanter Vorteil.
Praktischer Nutzen auf der Baustelle
Für Betreiber von mobilen Brechern auf Recyclingbaustellen bedeutet die App vor allem eines: weniger Standzeit. Wer bisher für Parameteränderungen den Bediener zur Maschine schicken musste, spart jetzt Wege. Bei einer typischen Brechanlage mit 250 Betriebsstunden pro Monat rechnet Kleemann mit Einsparungen von bis zu 10 Stunden durch schnellere Anpassungen.
Die automatische Verschleißüberwachung hilft, teure Folgeschäden zu vermeiden. Abgenutzte Brechbacken können den Antrieb überlasten oder zu unsauberem Korn führen. Die App warnt rechtzeitig – bevor es kritisch wird. Ersatzteile lassen sich direkt über die Plattform bestellen, mit Lieferung zur Baustelle.
Ein weiterer Praxisvorteil: Die App dokumentiert alle Betriebsdaten automatisch. Das erleichtert die Abrechnung nach Tonnen oder die Dokumentation für Umweltauflagen. Wer nachweisen muss, wie viel Material zu welcher Körnung verarbeitet wurde, exportiert einfach den Bericht aus der App.
Marktstrategie und Branchenreaktion
Kleemann positioniert sich mit der App klar als Technologieführer im Segment mobiler Brech- und Siebtechnik. Der Hersteller verfolgt das Ziel, die Digitalisierung im Recycling-Segment voranzutreiben – ein Bereich, der bei Automatisierung und Vernetzung traditionell hinter dem Erdbau hinterherhinkt.
Die strategische Bedeutung der App zeigt sich daran, dass Kleemann sie für alle aktuellen Baureihen anbietet – vom kompakten Backenbrecher bis zur schweren Siebanlage. Auch Bestandsmaschinen lassen sich teilweise nachrüsten, sofern sie über die entsprechende Steuerungshardware verfügen. Kleemann spricht von einer Nachrüstquote von etwa 60 Prozent bei Maschinen ab Baujahr 2018.
Konkrete Rückmeldungen von Kunden liegen noch nicht vor – die App befindet sich in der Markteinführungsphase. Branchenexperten bewerten den Schritt jedoch positiv. Die Integration von Konfigurator und Telematik in einer Lösung gilt als zukunftsweisend. Andere Hersteller wie Metso und Sandvik arbeiten an ähnlichen Systemen, haben aber noch keine vergleichbare Lösung am Markt.
Technische Integration und Systemanforderungen
Die Spective Connect App läuft auf iOS und Android. Kleemann setzt auf eine Cloud-basierte Architektur: Die Maschinendaten werden verschlüsselt an Server der Wirtgen Group übertragen. Der Zugriff erfolgt über personalisierte Nutzerkonten mit Rechteverwaltung. Flottenmanager können mehreren Bedienern unterschiedliche Berechtigungen zuweisen.
Die Anbindung der Maschinen erfolgt über ein fest verbautes Telematik-Modul mit LTE-Verbindung. Bei Neumaschinen ist dieses ab Werk integriert. Für die Nachrüstung bietet Kleemann ein Hardware-Kit an, das vom Servicetechniker installiert werden muss. Der Hersteller nennt Kosten von rund 3.500 Euro für die Nachrüstung – Einbau inklusive.
Die Nutzung der App ist im ersten Jahr kostenfrei. Danach fällt eine jährliche Lizenzgebühr an, deren Höhe Kleemann noch nicht kommuniziert hat. Branchenüblich sind bei vergleichbaren Systemen zwischen 500 und 1.200 Euro pro Maschine und Jahr.
Ausblick: Autonomie und KI-gestützte Optimierung
Kleemann plant, die App kontinuierlich weiterzuentwickeln. In kommenden Versionen soll eine KI-gestützte Optimierung hinzukommen, die auf Basis historischer Betriebsdaten automatisch die effizientesten Einstellungen vorschlägt. Der Hersteller spricht von möglichen Kraftstoffeinsparungen von bis zu 15 Prozent durch intelligente Prozesssteuerung.
Langfristig könnte die Plattform auch teilautonome Funktionen ermöglichen. Denkbar wäre etwa eine automatische Anpassung der Brechparameter je nach Materialzusammensetzung – erkannt über Sensoren oder Kamerabilderkennung. Solche Systeme werden bereits bei stationären Anlagen getestet, sind aber für mobile Brechanlagen noch Zukunftsmusik.
Die Integration mit anderen digitalen Baustellen-Systemen steht ebenfalls auf der Roadmap. Kleemann arbeitet an Schnittstellen zu Flottenmanagement-Software und BIM-Plattformen. Ziel ist es, Recycling-Prozesse nahtlos in die digitale Baustellenplanung einzubinden.
Mit Spective Connect setzt Kleemann einen neuen Standard in der Digitalisierung mobiler Brechanlagen. Ob sich die App im harten Baustellenalltag bewährt, werden die kommenden Monate zeigen. Der technologische Vorsprung dürfte den Hersteller jedoch für mindestens zwei Jahre von der Konkurrenz abheben.






