Sennebogen hat die komplette Umschlagbagger-Baureihe auf Akkubetrieb umgestellt. Der bayerische Hersteller bietet damit als erster Anbieter eine durchgängig elektrifizierte Flotte für den Materialumschlag an. Die Maschinen arbeiten emissionsfrei und sollen sich vor allem in geschlossenen Recyclinghöfen und Hallenlagern durchsetzen.

Die akkubetriebenen Sennebogen-Maschinen decken das gesamte Leistungsspektrum ab – von kompakten 12-Tonnen-Modellen bis zu schweren 140-Tonnen-Umschlagbaggern. Damit adressiert der Hersteller alle gängigen Einsatzbereiche in Schrottplätzen, Recyclinganlagen und Logistikhöfen. Die Akkus sind in die Unterwagen-Konstruktion integriert und sollen je nach Modell zwischen 6 und 10 Betriebsstunden durchhalten.

Doch die Praxistauglichkeit hängt stark von der Infrastruktur ab. Recyclingbetriebe brauchen Ladestationen mit ausreichender Leistung. Wer drei Schichten fährt, muss entweder in Schnellladetechnik investieren oder mehrere Akkupacks vorhalten. Das bindet Kapital. Die Amortisation gegenüber Dieselmaschinen liegt nach Herstellerangaben bei 3 bis 5 Jahren – vorausgesetzt, die Stromkosten bleiben stabil und die Betriebsstunden stimmen.

Für die Recyclingbranche könnte die Elektrifizierung dennoch zum Pflichtprogramm werden. Verschärfte Emissionsvorschriften in Innenstädten und Auflagen für geschlossene Hallen treiben die Nachfrage. Besonders Betriebe, die Elektroschrott, Kunststoff oder Papier verarbeiten, profitieren von der geringeren Staubbelastung und dem reduzierten Lärmpegel. Das verbessert nicht nur die Arbeitsbedingungen, sondern senkt auch die Anforderungen an Lüftungsanlagen.

Die Frage bleibt, ob das Stromnetz in Gewerbegebieten mithalten kann. Viele Recyclinghöfe haben nur begrenzten Anschluss. Wer mehrere Maschinen parallel laden will, braucht mindestens 400 kW Anschlussleistung – oft ist ein Netzausbau nötig. Das verzögert die Umstellung und kostet zusätzlich. Wer jetzt investiert, sollte die Stromversorgung zuerst klären.

Sennebogen hat mit der kompletten Elektrifizierung der Umschlagbagger-Reihe die Marktführung im elektrischen Segment übernommen. Andere Hersteller wie Liebherr und Sany bieten bisher nur Einzelmodelle an. Für Recyclingbetriebe bedeutet das: Mehr Auswahl, aber auch mehr Druck, die Infrastruktur anzupassen. Die Elektrifizierung der Baustelle ist kein reines Maschinenproblem mehr – sie erfordert eine Systemlösung.